Eine Explosion aus Energie und Farben, so hört sich das neue Werk Out Loud von Kungs an. Auf der Suche nach künstlerischer Freiheit erkundet der Franzose diesmal auch rauere Sounds. Acht Jahre nach seinem Debütalbum Layers und zwei Jahre nach dem sonnigen Club Azur schlägt Kungs mit OUT LOUD ein neues Kapitel auf. Das Album, das zwischen Paris, London und Los Angeles entstanden ist, wird als eine „Explosion von Energie und Farben“ beschrieben. Kungs bleibt seinen Wurzeln im French Touch treu, wagt sich aber gleichzeitig an einen raueren, instinktiveren Sound heran, der vor allem durch analoge Texturen und elektronische Impulse besticht. Mit seinem neuen Sound lässt Kungs die glattpolierten Dance-Hymnen hinter sich und setzt stattdessen auf spürbare Ecken und Kanten. Die aktuelle Entwicklung des Franzosen zeichnet sich vor allem durch ein deutlich gereifteres, körperbetontes Songwriting aus, dass zielstrebig nach Authentizität und echter Live-Energie sucht. Wie vielseitig diese neue Richtung klingt, beweisen die hochkarätigen Kollaborationen: Während Nasty mit Channel Tres eine knisternde, fast schon greifbare Spannung erzeugt, versprüht Light Me Up zusammen mit PNAU puren Disco-Glanz. Dass Kungs auch vor rohem, dreckigem Sound keine Angst hat, zeigt der Funk-Einschlag in Get Away mit Boys Noize, während Theophilus London dem Track Galaxy eine unwiderstehlich magnetische Lässigkeit verleiht. Es ist ein mutiger Mix, der zeigt, dass Kungs im Club der Zukunft angekommen ist. Mit Songs wie Addicted, Body Talk und Alive zielt Kungs direkt auf das Gefühl der kollektiven Euphorie ab, dass wir alle auf dem Dancefloor suchen. Der aus Toulon stammende Kungs feierte bereits mit 19 Jahren seinen internationalen Durchbruch. Sein Remix von This Girl stürmte in über 45 Ländern die Chartspitze, erhielt vielfach Diamant-Status und wurde zum globalen Shazam-Phänomen. Dieser Erfolg ebnete den Weg für sein Debütalbum Layers (2016) und Auftritte auf den größten Festivalbühnen der Welt, darunter Coachella und Tomorrowland. Im Mai 2021 läutete der Produzent mit Never Going Home eine neue Ära ein. Die Single entwickelte sich zur Hymne der Post-Lockdown-Zeit und sammelte europaweit Platin- und Diamant-Auszeichnungen. Sie diente als Vorbote für sein zweites Album Club Azur, das mit einer Mischung aus Funk, House und Italo-Disco die Rückkehr der Clubkultur und das gemeinsame Feiern zelebrierte. Zwei Jahre später festigte Kungs seinen Status durch Kollaborationen wie der 80er-Jahre-infizierte Track Substitution mit Purple Disco Machine sowie die Single All Night Long mit David Guetta und Izzy Bizu. Parallel dazu unterstrich die Werkschau The Complete Collection im Jahr 2025 mit einer Gold-Auszeichnung die beeindruckende Hit-Dichte seiner bisherigen Karriere. Letzte Woche kehrte Kungs mit seinem dritten Album OUT LOUD zurück, das Einflüsse aus Disco, Rock und French Touch vereint. Nach der Vorabsingle Light Me Up mit PNAU stellt das neue Werk einen weiteren Meilenstein seiner künstlerischen Entwicklung dar.
Robyn “Sexistential”
Nach sechs Jahren stille kehrt die schwedische Pop-Sängerin mit Sexisential, ihrem persönlichsten Werk, zurück. Sechs Jahre nach dem atmosphärischen Honey ist die schwedische Pop-Visionärin zurück. Mit Sexistential liefert Robyn ihr neuntes Studioalbum ab und kehrt nach einer Phase tiefgreifender persönlicher Umbrüche zu klar strukturierten, spielerischen Popsongs zurück. Das Album entstand an einem Punkt, den Robyn selbst als „Nullpunkt“ beschreibt: nach dem Ende einer langjährigen Beziehung und der bewussten Entscheidung zur alleinerziehenden Mutterschaft. Dass Robyn die unangefochtene Architektin des intelligenten Pop ist, hat sie spätestens seit 2005 mit ihrem eigenen Label Konichiwa Records bewiesen. Wer an Meilensteine wie Dancing On My Own oder die legendäre Body Talk-Ära denkt, weiß, dass sie das Genre des „Sad Dancing“ praktisch erfunden hat. Mit dem neuen Werk setzt sie diese Reise fort und lädt uns ein, Instinkte und persönliche Freiheit in neun prägnanten Titeln neu zu definieren. Die Produktion von Sexistential ist ein echtes schwedisches Gipfeltreffen. Aufgrund der Pandemie arbeitete Robyn ausschließlich mit engen Weggefährten zusammen, allen voran Klas Åhlund, der ihren Sound seit über zwei Jahrzehnten maßgeblich prägt. Ein besonderes Highlight ist die erneute Zusammenarbeit mit Max Martin, ihre erste seit 15 Jahren. Klanglich treffen hier lupenreine Pop-Strukturen auf eine hochmoderne, elektronische Produktion, bei der lediglich Joe Mount (Mitglied der Band Metronomy) als externer Kollaborateur mitwirkt. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit Sexualität, Unabhängigkeit und der eigenen Identität, die Robyn radikal ehrlich vertont. Ich wollte nicht zwischen Wissenschaft und Gefühl entscheiden – Sexistential ist der Moment, in dem Biologie auf pure Lust trifft. Robyn Thematisch beschreibt Robyn ihre neue Haltung als „tantrisch“ – eine Verbindung von Kreativität, Sinnlichkeit und Leben. Besonders deutlich wird das in der Single Dopamine, die Verlangen als chemischen Prozess im Körper thematisiert. Inspiriert wurde dieser Fokus durch ihre eigenen Erfahrungen mit IVF (In-Vitro-Fertilisation), also der künstlichen Befruchtung im Labor. Diese medizinische Grenzerfahrung machte ihr deutlich, wie sehr biologische Abläufe unsere Emotionen steuern. Sie trennt die Konzepte von Liebe und Kinderkriegen, reflektiert im Titeltrack mit viel Selbstironie ihre eigene Sexualität und rechnet in Songs wie Sucker for Love gleichzeitig mit toxischer Männlichkeit ab. Wo sie früher in atmosphärische House-Gefilde abtauchte, geht sie heute direkt dorthin, wo es wehtut und gleichzeitig befreit. Sexistential ist am Ende ein Album über den Kontrollverlust und das Wiederfinden der eigenen Integrität. Von melancholischen Momenten in Really Real bis hin zum finalen Aufbruch in Into the Sun spannt Robyn einen Bogen, der zeigt, dass künstlerische Verletzlichkeit gerade im Kontext des Älterwerdens eine enorme Stärke ist. Es ist die konsequente Weiterentwicklung einer Künstlerin, die keine Angst davor hat, ihre eigenen Regeln immer wieder zu brechen und uns damit direkt auf den Dancefloor zurückzuholen.