Wieviel Raum nimmt Technologie und künstliche Intelligenz in unserem Leben ein und wie verändert sich das Miteinander dadurch? Tinlicker stellt sich der Frage mit ihrem neuen Album. Mit ihrem vierten Studioalbum Dreams of the Machine schlägt die Formation ein brandneues Kapitel auf, denn aus dem gefeierten niederländischen Produzenten-Duo ist mittlerweile ganz offiziell ein niederländisch-britisches Trio geworden. Micha Heyboer und Jordi van Achthoven haben die Sängerin und Songwriterin Hero Baldwin, mit der sie bereits seit Jahren eng verbunden sind, als festes drittes Mitglied in die Band aufgenommen. Dieser Schritt war die logische Konsequenz aus ihrer musikalischen Weiterentwicklung der letzten Jahre: Um den Wandel von reinen Studio-Producern hin zu einer echten, organischen Live-Band zu vollenden, brauchte es diese feste stimmliche Konstante: “Hero hat das gewisse Etwas. Wir haben das nicht. Es ist schön, dass alle Augen auf sie gerichtet sind, wenn sie die Bühne betritt. Es ist ein schönes Gefühl, sich ein wenig im Hintergrund zu halten.” Das Besondere an diesem neuen Werk ist daher der bewusste Verzicht auf externe Gast-Features oder Kollaborationen, wie man sie noch vom Vorgänger Cold Enough For Snow kannte. Stattdessen konzentriert sich das Trio voll und ganz auf die eigene neue Dynamik, wobei Heros markante Stimme den roten Faden durch die 14 Tracks bildet. Inhaltlich setzen sich Tinlicker intensiv mit dem hochaktuellen Thema Künstliche Intelligenz auseinander und stellen die philosophische Frage, wo in einer hochdigitalisierten Welt die Grenze zwischen maschineller Präzision und echter menschlicher Emotion verläuft. Musikalisch bleibt die Band ihrem Ruf als Pioniere des melodischen, treibenden House treu, verwebt die elektronische Basis aber meisterhaft mit orchestralen Strängen und gefühlvollen Indie-Gitarren. Ein absolutes Highlight ist dabei die Vorab-Single Release: Mit ihren hypnotischen Arpeggios, dem wuchtigen, fast schon roboterhaften Bass und den temporeichen Breakbeats zielt sie direkt auf den Dancefloor ab. Gleichzeitig trägt der Track eine starke Message in sich und ruft uns mit Nachdruck dazu auf, das Smartphone endlich mal zur Seite zu legen und den Moment mit unseren Mitmenschen im echten Leben zu genießen, anstatt uns in ständiger Erreichbarkeit zu verlieren. Wer diese geballte Mischung aus elektronischer Perfektion und purer Live-Energie hautnah erleben möchte, sollte sich die ausgedehnte Europa-Tour der Band nicht entgehen lassen, die unter anderem mit einem fulminanten Auftakt in der Berliner Columbiahalle startet. Dreams of the Machine ist ein vielschichtiger, hochmoderner Soundtrack für unsere Gegenwart, der beweist, dass wahre musikalische Tiefe gerade dort entsteht, wo das Digitale auf, das zutiefst Menschliche trifft.
KLANGKARUSSELL “PETRICHOR”
Der Duft von Regen auf heißem Asphalt liegt in der Luft! Nach über zehn Jahren meldet sich Klangkarussell mit neuem Album zurück. Petrichor zeigt, wie sich das berühmte Duo weiterentwickelt hat. Nach mehr als einem Jahrzehnt seit ihrem Debüt Netzwerk melden sich Klangkarussell, das österreichische Duo, Tobias Rieser und Adrian Held, mit ihrem zweiten Studioalbum Petrichor zurück. Das Album erschien über ihr eigenes Label Bias Beach Records und zeigt eindrucksvoll, wie sich das Duo seit seinem internationalen Durchbruch weiterentwickelt hat. Wie bereits der Titelsong ihres 2014 erschienenen Albums Netzwerk ist auch Petrichor von der Atmosphäre fallenden Regens inspiriert, jedoch auf eine neue, ganz eigene Weise. Mit insgesamt 13 Tracks zeigen Klangkarussell eindrucksvoll, dass elektronische Musik weit über reine Club-Energie hinausgehen kann. Tanzbare Elemente treffen auf emotionale Tiefe und formen einen Sound, der zugleich nach Freiheit und persönlichem Wachstum klingt. Themen wie Familie, Liebe, Verlust und innere Stärke ziehen sich dabei wie ein schützender Schirm durch die musikalische Erzählung des Albums. „Wir wollten, dass sich dieses Album wie eine Reise durch unsere Welt anfühlt. Mit all ihren Höhen und Tiefen, ihren ruhigen wie auch großen Momenten. Petrichor handelt von Erneuerung und davon, im Wandel Schönheit zu finden – so wie der Geruch von Regen nach einem Sturm“, beschreibt Klangkarussell selbst die Atmosphäre ihres Albums. Eröffnet wird diese Klangwelt mit Truth Begins (feat. Blazey), einem Track, der rhythmische Synth-Melodien mit emotionalen Vocals verbindet. Das dazugehörige Musikvideo mit Snowboard-Star Anna Gasser visualisiert die Energie und das Freiheitsgefühl des Songs auf eindrucksvolle Weise. Auch Titel wie Ride, der mit überraschenden Retro-Vibes spielt, oder Cross The Border (feat. Bloom Twins), der persönliche familiäre Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg thematisiert, unterstreichen den vielseitigen und zugleich verletzlichen Charakter des Albums. Mit Sun Went Down, Sky Went Dark (feat. GIVVEN & Senes) bricht, getragen von Afro-House-Beats, im wahrsten Sinne des Wortes wieder die Sonne durch. Die zahlreichen Features mit Künstler:innen wie GIVVEN, Blazey, Bloom Twins, Oliva, Redward Martin, Elmar, Marieme, Senes und Petrichor erweitern das klangliche Spektrum zusätzlich und verleihen dem Album eine besondere Tiefe. Petrichor ist damit keine bloße Fortsetzung von Netzwerk, sondern eine kontinuierliche Weiterentwicklung und markiert den Beginn der bislang persönlichsten Ära in der Geschichte von Klangkarussell.
SCHILLER “Euphoria”
SCHILLER bringt das freie Lebensgefühl der 90er zurück, gemischt mit den tiefen Eindrücken seiner letzten Konzerte in der Ukraine. Das Ergebnis ist pure Gänsehaut: Euphoria. Woran erinnern wir uns am Ende wirklich? Da ist dieses eine Bild im Kopf: Berlin, 1998, Love Parade. Die Farben sind zwar verblasst, aber man sieht diese Menschenmasse bis zum Horizont. Überall nur Körper, Schweiß und der Beat. Damals gab’s es nur die Musik und dieses krasse Gefühl von Freiheit. Die Zeit ist zwar lange vorbei, aber er erinnert uns an etwas, das wir heute fast vergessen haben: Echte, ungefilterte Euphorie. Genau diese Emotionen, das ungebremste Empfinden versucht SCHILLER in seinem neuen Album Euphoria einzufangen. “In den 90ern reichte ein Beat, heute braucht Glück einen Kontext. Euphorie wird reflektiert, diskutiert und eingeordnet. Sie gilt als gefährlich, weil sie sich nicht kontrollieren lässt. Und doch bleibt etwas in uns zurück, das sich nicht abschütteln lässt: Eine Sehnsucht,” findet Christopher von Deylen, wie SCHILLER mit bürgerlichen Namen heißt. Soundmäßig geht SCHILLER mit dem Album zurück zu seinem musikalischen Ursprung. Konkret bedeutet das: Hier trifft ordentlich Bass auf schwebende Klangwelten. Dazu kommen die markanten Sprechstimmen und Melodien, die dem Ganzen diesen typischen SCHILLER-Vibe geben. “Ich möchte Musik schreiben, die fliegt. Sie soll nicht nur die Beine bewegen, sondern auch das Herz,” erklärt SCHILLER dem Album-Titel Euphoria. “Es geht um das ungebremste Empfinden. Einen Gegenentwurf zum allgegenwärtigen ‘Du sollst’. Ein Zustand, in dem alles einmal anders sein darf, ohne Moral, Belehrung und doppelten Boden,” so der DJ. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Christopher von Deylen unterwegs auf der Suche nach Tönen, die die Menschen bewegen. Er tritt weltweit als Livemusiker auf und findet oft unentdeckte Wege. So war er in den Jahren 2017 bis 2019 der erste westliche Musiker, der seit der islamischen Revolution 1979 im Iran aufgetreten ist. Auch in der Ukraine hat sich SCHILLER eine feste Fanbase erspielt, seit er dort 2006 erstmals aufgetreten ist. Mit der Ukraine hat SCHILLER eine tiefe Verbindung. Er hat dort über die Jahre unzählige Gigs gespielt und sich eine treue Community aufgebaut und unterstützt das Land auch während des russischen Angriffskrieges. Der Musiker war im Sommer 2025 zum dritten Mal seit Kriegsstart in der Ukraine für ein paar Gigs und beobachtete ein besonderes Lebensgefühl der Menschen: “Es ist ein unbedingter Wille zu leben. Inmitten des Schattens brechen sie auf, um zu tanzen. Um für Stunden, Minuten, vielleicht nur Sekunden, frei zu sein,” sagt er. “Eine Euphorie, die gerade durch ihre Zerbrechlichkeit so wahrhaftig wird.” Auf dem Album gibt es auch eine Kollaboration mit der ukrainische Melodic-Techno-Produzentin 8Kays. Durch ihre Präsenz wird dem Album etwas “neues, unerwartetes” verliehen. Ähnlich verhält es sich beim Titel My Silence mit der Sängerin Julia Sanina, welche Leadsängerin der ukrainischen Band The Hardkiss ist. Die Gruppe ist in der Ukraine sehr berühmt und spätestens seit ihren Touren mit The Prodigy und den Deftones auch international bekannt. Die Zusammenarbeit mit SCHILLER ist dabei ein musikalischer Dialog zwischen zwei Welten. Anstatt die Stile zu vermischen, lässt man die Kontraste bewusst stehen. Man spürt den Austausch von Erfahrungen, Bildern und Herkunft. Im Mai 2026 bringt SCHILLER diese neue Energie schließlich dorthin, wo sie ihre volle Wirkung entfaltet: in die großen Arenen. Die ‚Euphoria‘-Tour verspricht eine Kombination aus aufwendiger Lichtkunst und dem für ihn typischen Surround-Sound. Die entstehenden Räume, lassen die Grenze zwischen Klang und Emotion verschwimmt – ein Erlebnis, das das neue Album live greifbar macht. Tour Daten: 09.05.2026 Leipzig, QUARTERBACK Immobilien ARENA 10.05.2026 Oberhausen, Rudolf Weber-ARENA 11.05.2026 Stuttgart, Porsche Arena 12.05.2026 Köln, LANXESS arena 14.05.2026 Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle Frankfurt 15.05.2026 Hamburg, Barclays Arena 16.05.2026 Berlin, Uber Arena
Charlotte de Witte “Charlotte de Witte”
Nach 15 Jahren Karriere und 25 veröffentlichten EPs hat die belgische Techno-Größe Charlotte de Witte ihr erstes Studioalbum veröffentlicht. Charlotte de Witte erschafft Charlotte de Witte. Die LP markiert einen Meilenstein für die 33-jährige Künstlerin, die heute als eine der einflussreichsten Figuren der elektronischen Musik weltweit gilt. Die Reise von de Witte begann bereits im Teenager-Alter in ihrer Heimatstadt Gent. Mit 16 Jahren entdeckte sie die Underground-Clubs der Stadt und war sofort von den Fähigkeiten der DJs fasziniert. Was mit ersten Mixtapes für den Schulweg und dem Üben an eigenen Plattendecks begann, führte sie unter dem damaligen Alias „Raving George” schnell in die professionelle Musikszene. Der internationale Durchbruch gelang ihr schließlich mit dem Release von Weltschmerz unter ihrem bürgerlichen Namen. Heute blickt sie auf eine beeindruckende Erfolgsbilanz zurück: Im Oktober 2025 wurde sie zum sechsten Mal in Folge vom „DJ Mag” zur Nummer 1 der Techno-DJs gewählt. Zudem schrieb sie Geschichte als erste Techno-Künstlerin auf den Mainstages großer Festivals wie dem Ultra Music Festival oder Tomorrowland, wo sie im vergangenen Sommer gleich zweimal an einem Tag auftrat: als Eröffnungs-Act und als Headlinerin vor 200.000 Menschen. Trotz dieser gigantischen Bühnen bleibt de Witte im Kern ein „Club-Kid”, was sich nun auch in ihrem ersten Album widerspiegelt. Das neue Album umfasst elf Tracks und wird von de Witte, als ihr bisher persönlichstes Projekt beschrieben. „Es ist eine Reflexion darüber, wer ich bin, woher ich komme und was mich antreibt: der Dancefloor”, erklärt sie. Das Album soll die Energie ihrer Auftritte einfangen und das typische Club-Gefühl für mehr Menschen erlebbar machen Musikalisch bleibt sie ihrer Vorliebe für rohe, repetitive und loopige Klänge treu. Für de Witte ist Techno eine körperliche Erfahrung, die eher in Trance versetzt als nur euphorische Glücksgefühle auszulösen. In Tracks wie Memento Mori oder Domine integriert sie zudem gregorianische Mönchsgesänge und Mantras. Mit diesen archaischen Elementen will sie eine tiefe, emotionale Verbindung schaffen. Neben den Solo-Stücken enthält das Album Kollaborationen mit XSALT (in der Single No Division), Comma Dee, Lisa Gerrard und Alice Evermore. Die erste Singleauskopplung The Realm war bereits im April 2025 erschienen. Trotz ihrer Rolle als globale Spitzenreiterin bleibt de Witte reflektiert, was die Entwicklung der Szene angeht. Während sie früher zu Künstlerinnen wie Ellen Allien oder Nina Kraviz aufblickte, sieht sie sich heute selbst in der Pflicht, den Weg für zukünftige Generationen weiblicher DJs weiter auszubauen. Ihr Ziel bleibt eine Welt, in der alle Künstlerinnen gleichermaßen respektiert werden – ein Anspruch, den sie mit ihrer Arbeit und ihrem Label KNTXT fortgehend verfolgt.