Die Clublandschaft in Luzern verliert eine echte Legende: Der ROK Klub verabschiedet sich mit einem Closing-Monat von seinen Gästen. Nach 18 Jahren schließt der ROK Klub Ende Mai seine Türen. Als Grund nennen die Verantwortlichen vor allem ein verändertes Ausgehverhalten. Insgesamt gehen laut Betreiber weniger Menschen feiern als früher. Gleichzeitig sei es schwieriger geworden, Besucherzahlen einzuschätzen: Während manche Events sehr gut laufen, bleiben andere Abende deutlich hinter den Erwartungen zurück. Besonders Freitage seien zuletzt schwierig gewesen. Einzelne Formate, vor allem im Hardtechno-Bereich, würden zwar weiterhin viele Gäste anziehen, insgesamt sei das Geschäft aber deutlich unbeständiger geworden. Auch die Interessen des jüngeren Publikums hätten sich verändert. Zwar würden wieder mehr junge Menschen ausgehen, viele interessieren sich aktuell aber vor allem für Urban- und Hip-Hop-Events. Dieser Markt sei in Luzern jedoch schnell ausgeschöpft. Dazu komme, dass das eher dunkle Clubkonzept des ROK laut Betreiber nicht mehr ganz zu den Erwartungen vieler neuer Gäste passe. Deshalb brauche es ein neues Konzept.
30 Stunden wach: Kraftwerk Berlin wird zur Ambient-Oase
Ein Club-Wochenende ohne Sleep Deprivation? Das ist die Idee hinter “The Infinite Now”. Das Kraftwerk Berlin veranstaltet 30 Stunden Rave inklusive Schlafmöglichkeiten. Vom Abend des 16. Mai bis in die späte Nacht des 17. Mai läuft im Kraftwerk ein Nonstop-Programm aus Ambient, experimenteller Elektronik, Film und Installationskunst. Das Projekt vereint zwei der einflussreichsten kuratorischen Kräfte der experimentellen Musik in ihrer ersten offiziellen Zusammenarbeit: Berlin Atonal und Unsound Festival. Das Konzept ist dabei ziemlich ungewöhnlich: Denn es werden Betten, Hängematten und Ruhebereiche im gesamten Kraftwerk aufgebaut. Schlaf wird hier ausdrücklich als Teil der Veranstaltung und des Zuhörens verstanden. Über dreißig Künstler:innen gestalten das Programm ohne Pause. Auf dem Line-Up stehen unter anderem Caterina Barbieri, die in Berlin ein neues Werk mit Vokalensemble und Bläsern präsentiert, Kali Malone mit einem mehrstündigen Set aus selten gespielten Installationsarbeiten sowie Adam Wiltzie, der das Repertoire von Stars of the Lid neu interpretiert. Außerdem stehen Keiji Haino mit gleich zwei Performances, Terrence Dixon mit einer Weltpremiere und die japanische Improvisationsgruppe Marginal Consort auf dem Programm. Ergänzt wird das Ganze durch Film und Installationen im gesamten Gebäude.
Clapton “Wanderer”
Vier Alben später muss Claptone niemandem mehr etwas beweisen. Mit Wanderer zeigt der maskierte Produzent so deutlich wie lange nicht, wohin sich sein Sound entwickelt hat. Seit Jahren gehört die goldene Maske von Claptone zu den bekanntesten Markenzeichen im House-Kosmos. Zwischen weltweiten Tourneen, seiner Residency im Club Chinois auf Ibiza und seinem eigenen Label Golden Recordings veröffentlicht der deutsche Produzent nun sein fünftes Studioalbum: Wanderer. Die neue Platte umfasst elf Tracks und bewegt sich zwischen klassischem House, poppigeren Vocals und festivaltauglichen Produktionen. Auffällig ist vor allem die Zahl der Kollaborationen: Auf dem Album arbeitet Claptone unter anderem mit Henry Camamile von Sea Girls, Raphaella, Crystal Fighters, Hannah Boleyn, Poppy Baskcomb, Nathan Nicholson, T. Western und Moli zusammen. Schon der Opener Way Too Into You mit Henry Camamile zeigt die Richtung des Albums: eingängige Vocals, sommerliche Melodien und ein Sound, der klar auf große Festivalbühnen ausgelegt ist. Danach wird es mit Phantasy gemeinsam mit Raphaella deutlich ruhiger. Gitarren rücken in den Vordergrund, der Track setzt stärker auf Groove als auf große Drops. Mit Turn Up The Love gemeinsam mit Crystal Fighters folgt einer der offensichtlichsten Popsongs des Albums. Radiotauglich produziert, eingängig und mit einem Hook ausgestattet, der sofort hängen bleibt. Auch hier zeigt sich Claptone als Produzent, der Vocals bewusst in den Mittelpunkt stellt, ohne die Produktion zu überladen. Disappear mit T. Western verändert die Atmosphäre erneut. Pulsierende Synths tragen den Track, während der Sound insgesamt glatter und zurückhaltender wirkt. Im Mittelteil wird Wanderer emotionaler. Sandcastles mit Nathan Nicholson gehört zu den ruhigeren Tracks des Albums und arbeitet mit deutlich reduzierteren Elementen. Direkt danach folgt mit Black & Gold gemeinsam mit Hannah Boleyn wieder ein Clubtrack mit druckvoller Bassline. Mit Wanderlust und Treading Water taucht Poppy Baskcomb gleich zweimal auf der Platte auf. Während Wanderlust leichter und melodischer wirkt, setzt Treading Water stärker auf emotionale Vocals. Put Your Love On Me mit Henry Camamile gehört dagegen wieder klar in den Festival-Kontext. All Night Long mit Moli geht direkter nach vorne und orientiert sich stärker am Dancefloor. Den Abschluss bildet Any Given Moment. Hier zieht sich Claptone wieder etwas zurück und beendet das Album mit einem deepen, grooveorientierten Track, der ohne große Effekte auskommt. Seit seinem letzten Album Closer im Jahr 2021 war Claptone konstant unterwegs. Dazu kamen Touren durch South America, die Gründung seines Labels Golden Recordings im Jahr 2023 und fünf Jahre in Folge als Nummer-eins-House-DJ bei den DJ Awards. Aktuell liegt er außerdem auf Platz 32 der DJ Mag Top 100 DJs. Mit Wanderer bleibt Claptone seinem Sound treu, öffnet ihn aber stärker in Richtung Pop, Indie und Festival-House. Weniger düsterer Clubtrack, mehr breit aufgestelltes Album.